Gelesene Bücher Mai 2026

Posted by Björn on 28th Mai 2026 in Allgemein, Buch

SenLinYu – Alchemised
Dieses Buch wird als Dark Romantasy vermarktet und ja, sie ist ziemlich düster aber auch faschistisch – das muss man klar sagen.
Deswegen empfinde ich es nicht für jeden geeignet, es wird viel vom Krieg, Leid, Faschismus und psychischem Leiden erzählt; das alles zu verdauen is anstrengend.
Es ist schon gut, dass es nicht so viele Infodumps gibt und die Geschichte durch nur eine Hauptprotagonistin erzählt wird. Aber durch die Fülle von Charakteren, die nicht nur detailliert ausgearbeitet wurden, sondern einen festen Platz in der Geschichte einnehmen, werden Informationen erst ziemlich spät und beiläufig enthüllt. Ungewöhnlicherweise ziehen sich so die Informationshäppchen in die Länge, so dass erst um die Hälfte überhaupt erwähnt wird, dass das Land Paladia nach den Paladinen im ersten Nekromantenkrieg benannt wurde. Und überhaupt, erst auf Seite 200 erfährt man nebenbei, dass es nicht der erste Nekromantenkrieg ist. Das ist nicht schlecht, verschleppt aber meiner Meinung nach wichtige Details und Informationen. Die Sprache ist dabei relativ anspruchsvoll. Auf der einen Seite gibt es viele medizinische Begriffe, auf der anderen ist das Worldbuilding ambitioniert aber nicht gut diversifiziert. Bspw hat die Welt zwei Monde (Luna und Lumithia), welche die Gezeiten so stark beeinflussen (ein wichtiger Aspekt in der späteren Geschichte), aber die Planeten haben immer noch unsere weltlichen Namen (Merkur, Venus, etc). Persönlich finde ich das etwas seltsam, so viel Aufwand – und dann doch unsere Planeten?
Auch ließen mich seltsame Formulierungen erstmal laut auflachen.
Beispielsweise S. 712: „So zu schluchzen war nicht einfach, man musst es lange üben.“ oder S. 773 „Als ihr Bewusstsein sie wiederfand, lag sie auf dem Boden.“
Das war mehr in der Mitte der Fall als anderswo, also womöglich eine Blüte bei der Übersetzung. Aber es waren wirklich nur wenige, und die zwei waren schon die zwei Extrembeispiele, die ich mir bewusst aufgeschrieben hatte.
Aber nichtsdestotrotz bleibt die Sprache mit wenigen Ausrutschern auf hohem Niveau.
Insgesamt ist „Alchemised“ ein gelungenes Buch; obwohl es sehr faschistisch ist, kann es klare politische Signale senden, wenn auch erst zum Ende.

S. Dreßler/K.H. Zimmer – Sonnenerwachen
Die Prämisse dieser Anthologie ist: „Wie schaffenes Menschen nach einer weltweiten Katastrophe, sich zusammenzureißen und eine neue Gesellschaft aufzubauen?“
So entstanden 16 Kurzgeschichten, und wie so üblich: manche gut, manche eher durchschnittlich. Gefühlt gab es in jeder einzelnen Story eine Erklärung zum Hintergrund dieser Anthologie, was mich etwas genervt hat.
Gefallen haben mir besonders: „Was ich nicht kenne“ von Artemis Wind, „Das Feuer der Vergangenheit“ von Niklas von Rhein sowie „Doula des Neuanfangs“ von Denise Kalter.

S. Nieder/A. Bottlinger – Planta Nubo
Diese SolarPunk-Anthologie spielt in der Welt „Overgrown“ des Brettspiels „Planta Nubo“, in welchem energiereiche Blumen in wolkigen Gärten in den Baumkronen der Arboren gezüchet werden. Liebenswerte Charaktere, spannende Erzählungen und großartige Ideen formen eine fantastische Zusammenstellung diverser Themen rund um Planta Nubo und Solarpunk! Insgesamt 20 Kurzgeschichten türmen sich darin auf, eine besser als die andere und ich kann nur schwerlich meine Lieblinge benennen. So bleibt mir nur übrig die drei zu nehmen, welche mir am längsten im Gedächtnis blieben: „Baumwarzen“ von Diandra Lindemann, weil dem SolarPunk am nächsten kommt, „Fliegfried“ von Christian Humberg, weil ich es besonders lustig fand und „Hochnase & Betongeist“ von Bernd Perplies, weil ich es am dramatischsten fand.

Martha Wells – Systemkollaps
Die Erzählung selbst hat ein paar strukturelle Schwächen. Es springt etwas hin und her, und die Klammerrede schweift hier und da ein wenig ab. Auch sprachlich gibt es sehr viele Wiederholungen, insbesonders „sagte sie/er“ ist gang und gäbe, was manchmal etwas nervend ist. Wer aber darüber hinweglesen kann, wird am Buch Spaß haben. Die Charaktere sind überwiegend überzeugend, auch wenn sie hier und da ein wenig zu gutgläubig sind, wie Killerbot gern mal anmerkt.

Gabrielle Zevin – Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
Eine großartige Erzählung mit wunderbaren Charakteren und gutem Worldbuilding. Hat genau die richtige Mischung aus glücklich und traurig und gute zitierfähige Sätze fürs echte Leben. Hier und da scheint es, als ob die vierte Wand durchbrochen wird, aber das geschieht so indirekt und sanft, dass ein typischer Leser das wohl kaum bemerkt.
Lese-Empfehlung!

Charles G. Finney – The Circus of Dr Lao
Auch wenn das Buch einige rassistische und klassistische Sprüche bringt, war es amüsant zu lesen. So halb wissenschaftlich, halb fantasymäßig ist es ein wenig chaotisch, auch wenn die humoristische Ader eher Schenkelklopfer bringt. Die Charaktere sind jetzt nicht die tiefsinnigsten Wesen, aber in dem Kontext durchaus überzeugend. Das Buch selbst bringt eher Infodumps und erfreut sich eher im beschreibenden Größenwahn, was mich dann doch schmunzeln ließ.

Anna Gasthauser – Liz in hell
Der Momentum der Geschichte wird zwar hier und da ein wenig konserviert, aber auch schnell in Energie umgewandelt. So kommt die Erzählung schnell auf den Punkt und setzt gut pointiert den Humor. Auch wenn die Hölle zwar ein klischeehaftes Bild gibt, hat die Erzählung eigene Akzente, die das Leben darin einzigartig macht und überzeugt. Die Hauptprotagonistin ist gut ausgearbeitet und überzeugend dargestellt. Auch die anderen Charaktere sind nicht einfach nur Statisten, sondern haben einen tieferen Sinn. So macht es Spaß, der Erzählung und den Protagonisten zu folgen.
Lese-Empfehlung!

Kira Gembri – Wovon du träumst
Ein wenig musste ich in dieser Liebesgeschichte auch an „Vielleicht passiert ein Wunder“ von Sara Barnard denken. Die Erzählung ist gut durchdacht und recherchiert, auch wenn der Verlauf und das Ende schnell relativ klar ist. Besonders gut gelungen finde ich die charakterliche Ausgestaltung von Nik und Emilia, grundverschieden und doch mit vielen Gemeinsamkeiten. Das Buch beschreibt auch gut die Denkfehler und Vorurteile von Menschen, die nicht verstehen, wie sie andere Menschen nur aufgrund einer Sprachbarriere systematisch ausgrenzen – in diesem Fall von Menschen ohne Gehör. Die Erzählung wechselt – wie in einem typischen Liebesroman – zwischen Nick und Emilia, die nicht anders behandelt werden will wie andere Menschen. Ein kraftvolles Buch, das die Wände zwischen den Menschen einreißt und dabei eine Liebesgeschichte erzählt.
Lese-Empfehlung!

Josephine W. Johnson – Die Novemberschwestern
Die Passivität im Buch ist ein einziger Widerstand beim Lesen, die Indirektheit, die Nichtbetroffensein-Skala im Leben der Hoffnung. Die Erzählung ist sehr gut, die kapitelweise Bestürzung eskaliert weiter und weiter und die poetische Stille zwischen den Sätzen entweicht zwischen den Seiten fast schon wie ein Flüstern – wie ein Fluchen zusammengebissener Zähne. Es ist fast schon packend, wie die Schicksale von fünf Personen in 220 Seiten zusammengepresst werden und gleichzeitig noch die poetische Kraft der Natur die Seiten glätten wie zerlaufene Butter auf einem Krusten Brot. Insgesamt ein machtvolles Buch, rein und unverbraucht auf der einen Seite, schmutzig und gelebt auf der anderen – wie eine Münze, die sich ewig dreht und nicht entscheiden kann, auf welche Seite sie fällt, beschreibt das Buch ein Leben der Realität der 1930er Jahre, mit dem Blick auf die Hoffnung zu leben.
Lese-Empfehlung!

Marie Meier – Seelengrube
Die Erzählung ist gut strukturiert und hat einen großartigen Weltenbau. Insgesamt ist alles gut durchdacht, auch wenn manche Überraschung zumindest für mich keine war. Die Charaktere passen relativ gut in die Welt und finden relativ flott ihren eigenen Ausdruck und Platz. Es gibt ein paar unerwartete Ereignisse, aber insgesamt folgt es einer typischen Heldenreise eines Underdogs – sorry: einer Underkitten.
Zum Ende hin verraten leider ein paar Facetten des Worldbuildings bereits das ultimative Ende des Mehrteilers, und damit meine ich nicht den Höhepunkt der letzten zwei Kapitel.
Lesenswert!

Gelesene Bücher April 2026

Posted by Björn on 6th Mai 2026 in Allgemein, Buch

Ryan Rockwell – Explorers: Dunkle Zeichen
Die Erzählung ist flott und actionreich, das Worldbuilding ist mehr funktionell und fügt sich der Geschichte. Dabei bleibt die Sprache emehr oder weniger gleichbleibend ohne große Nuancen. Die Charaktere sind trotz ein paar guter Stellen eher stereotyp. Im groben ist das ein Buch ohne großen Anspruch und mehr für Entertainment; Figurenentwicklung ist keine große Stärke, auch wenn es typische Elemente gibt, die darauf hinweisen.

C. Suglia & S. Heep – Aner Welten Solarpunk
Diese luxemburgische Anthologie enthält acht Geschichten, eine deutsche, zwei luxemburgische und fünf englische. Dabei gefiel mir die erste (The essence of life) am besten, aber ich hatte auch Spaß mit den luxemburgischen Stories, als ich merkte, dass ich die Sprache mehr verstehe als gedacht. Wie der Titel schon verrät, sind die Geschichten hauptsächlich dem Subgenre des SolarPunk angesiedelt, die teils mitfühlend, teils erkundend die Grenzen der möglichen Zukunft ausloten.
Durchaus eine Lese-Empfehlung für willige Leseliebhaber.

Chloe Gong – Welch unverhoffte Wahrheit
Dieses Buch enthält zwei kleine Novellen, die Spoiler aus den Büchern „Welch trügerisches Glück“ und „Welch trügerisches Herz“ enthält.
Obwohl auf den ersten Blick nicht ganz offensichtlich sind die zwei Stories ein wenig verflechtet. Mit Geschick und Herz werden die Charakter eingeführt; nicht nur facettenreich sondern auch mit viel Gefühl sind die Protagonisten stark ausgearbeitet. Natürlich sind sie von Mister Shakespear inspiriert, sei es nun Romeo & Julia oder König Lear, aber insgesamt ist der Einfluss nicht so dominant auf die Erzählung.

Clive Barker – Hellraiser
Wer kennt den gleichnamigen Film – auch mit Clive Barker als Regisseur – nicht? Es ist wirklich länger her, seit ich ihn zuletzt geschaut habe, trotzdem finde ich das Buch dazu schon besser. Das Erzählen in Büchern ist einfach wesentlich tiefgreifender als auf der Leinwand. Ein Grund warum ich nicht mehr so oft Filme gucke.
Aber zurück zum Buch, das mehr eine Parabel über Erkenntnis und Transzendenz des menschlichen Wesens ist. Obwohl die Sprache sehr visuell und dunkel ist, kann die Erzählung des 40 Jahre alten Buches durchaus fesseln und einen bleibenden Eindruck hinterlassen, egal ob das nun Ekel oder Faszination ist. Während die Geschichte selbst teilweise einem lapidaren Verlauf folgt, ist alles mehr oder weniger vorgelegt: Die Charaktere entwickeln sich in einem selbstbewussten Streben und der menschliche Gier. Die teilweise abstoßende bis attraktive Zurschaustellung der Lust ist dabei wesentliches Merkmal, und (konter-)kariert die menschliche Natur. Ein paar Abstriche macht das Buch (auch aufgrund der Kürze) in der nur ausreichend strukturellen Erzählung, sowie den eher charakterlichen Konfliktausarbeitungen.
Trotz dessen aber durchaus eine Lese-Empfehlung!

Christian Endres – Wolfszone
Dieser Cyberthriller ist relativ flott zu lesen. Die Erzählung kommt schnell zu den wesentlichen Punkten und steuert die Erwartungshaltung mehr Richtung Cyber-/BioPunk. Es erinnert ein bisschen an William Gibson, da auch dieser mehr die technologischen Aspekte und deren Wirkung in den Vordergrund stellt, aber der Erzählstil und damit die Qualität in Wolfszone liegt mehr in der Unterhaltung, so dass die persönlichen Schicksale im Buch mehr Raum erhalten. So sind insgesamt die Konflikte und Motivationen der Charaktere gut dargelegt und überzeugen durch mehrdimensionale Ebenen.
Was ich etwas schade finde: Es fängt als Krimi an – und entspricht zeitweise dem „hardboiled detective“ Klischee -, und macht durch die Spurensuche eher den Eindruck eines Krimis, aber die Ausrichtung und die Auflösung folgt mit der Zeit mehr einem Thriller. Das finde ich etwas unbefriedigend.

Gelesene Bücher März 2026

Posted by Björn on 1st April 2026 in Allgemein, Buch

Beverly Jenkins – Indigo
Dieser historische Roman spielt vor dem Bürgerkrieg in Amerika, entwickelt sich aber relativ schnell zu einem Liebesroman. Die Autorin erzählt viel über die Sklaverei, was zwar anstrengend zu lesen ist, aber ohne diese Spannungen wäre das Buch nur halb so gut. Die zwei Hauptprotagonisten Hester Wyatt und ‚Black Daniel‘ – beides Untergrundkämpfer gegen die Sklaverei – sind herausragend und glaubhaft dargestellt. Dabei bleibt die Sprache sehr natürlich und fügt sich in die Zeit als auch die Gepflogenheit ein, was vielleicht verstören kann, aber historisch akkurat ist.
Teilweise erinnerte mich die Story an Stolz und Vorurteil von Jane Austen, allerdings mit mehr Erotik und Sex.
Lese-Empfehlung!

Sameena Jehanzeb – Was Preema nicht weiß
Wie Douglas Adams Universum in eine Millionen glitzerne Fragmente zersplittert und jede einzelne Scheibe still durch den leeren Raum trudelt und eine einzigartige Katastrophe aus Feuer und Verwüstung hinterlässt, so explodiert dieses Buch hinter dem Universum in euren Köpfen, wobei jedes einzelne Teilchen Finsternis der unbändige Rauch aus der Hölle ist, welcher Preema – die Protagonisten aus dem Roman – blendet.
Der Weltuntergang ist geschehen und vollkommen gelöst schwebt die Lichtung im Nichts hinter der Finsternis des zersplitterten Universums. Die Überlebenden fragen sich, was mit ihnen passiert ist, warum sie da sind und warum gerade sie und so viele andere nicht überlebt haben.
So auch Preema Anand, die in dieser Lichtung aufwacht und als einzige von der Katastrophe, welche die Welt verschlang, berichten konnte.
Die Überlebenden haben alle unterschiedliche Theorien, aber ein roter Faden zieht sich durch alle: die Hoffnung, dass die Lichtung nicht das zu sein scheint, was sie vorgibt. Sind es nun Aliens, die versuchen den restlichen Menschen zu helfen? Vielleicht liegen sie wie in Matrix in Röhren und leben in einer virtuellen Welt? Oder sind sie gestorben und die Schatten, welche die Überlebenden wahrnehmen, wiegen dann und wann die Seele und entscheiden, wohin sie kommen: In die Hölle oder in das Paradies.
Während diese Fragen in der Jetzt-Zeit zusammen mit David, einem anderen Überlebenden, erörtert wird, erlebt Preema nach und nach ihre Vergangenheit neu. Und was wird mit ihr passieren, wenn sie die Fragmente ihres Gedächtnis wieder zusammengesetzt hat?
Ein absolut fantastischer Roman, der mich sehr bewegt hat.
Klare Lese-Empfehlung!

Ann Leckie – Das Imperium
Der fulminante Höhepunkt der Trilogie; generell ist diese SF Opera kein leichter Einstieg, da die Handlung sehr verflochten ist, aber sie lohnt sich! Die Perspektive braucht etwas Gewöhnung und die Erzählung wirkt beim ersten Lesen etwas chaotisch, weil a) die KI Gerechtigkeit der Torren überall zugleich ist und b) das generische Femininum verwendet wird (das ist auch im englischen Original so), aber das legt sich mit der Zeit.
Sehr interessant sind die politischen und sozialen Verwicklungen, die eine tiefere Ebene der Bücher eröffnen und den Charakteren eine neue Zwischenschicht geben. Die sprachlichen Mittel im Buch beschränken sich auch nicht auf das generische Femininum und können mit einer distinguierten Poesie und durchaus beeindruckendem Sprachgefühl aufwarten. Insbesonders die Charaktere haben in ihren Konflikten und Motivationen einen originellen und beeindruckenden Ansatz, der bis zum Ende konsequent durchgeführt wird.
Insgesamt auf jeden Fall ein Muss für SF Fans und Lese-Empfehlung!

Talia May – Bis wir verwelken und woanders blühen
Die Erzählung will will zwei Dinge zugleich sein, auf der einen Seite ein Liebesroman mit Plüsch und Samt, Verliebtsein mit rosaroter Brille, auf der anderen ein schwieriges Thema, das bewältigt werden muss. Ich verstehe den verfolgten Ansatz, trotzdem ist die charakterliche Transformation nicht sehr tiefgreifend. Was grundsätzlich okay ist, aber so trägt die Erzählung allein den persönlichen Konflikt, was mit dem zugrundeliegenden Thematik ein wenig antiklimatisch wirkt. Dadurch liegt die eigentliche Dramatik eher im Hintergrund, die konkrete Handlung wirkt deswegen leicht oberflächlich.

Olivia Waite – Hen Fever
Diese Novelle ist kurz und intensiv; mit nur knapp 90 Seiten beeindruckt sie durch einen schnellen Charakteraufbau und flotter Erzählung. Sie verflechtet im Hintergrund den Krimkrieg (1853 bis 1856) mit den Charakterhintergründen, sodass schnell die Motivationen und Konflikte zutage treten. Ein gut pointierter Humor lockert das ganze auf, insbesonders durch den Hühnerzuchtwettbewerb (deswegen auch: Hen Fever), und gibt dem historischen (queeren) Liebesroman eine leichter verdauliche Note mit erwachsenem Flair.
Lese-Empfehlung!

Tasha Suri – The Isle in the silver sea
Ein sehr interessantes Buch, auf der einen Seite ist die Erzählung vielschichtig auf der anderen hat sie einen starken Weltenbau. Großartig sind die Konfliktbewältigungen der Charaktere und die Motivationen wurden präzise herausgearbeitet. Die Twists waren teilweise vorhersehbar aber auch überraschend. Sehr poetisch wirkt das Buch durch seine inhärenten Schicksale und die Verflechtungen mit der Welt. Es ist durchaus mehr Romance als Märchen und Fantasy, aber allein die figurative Tragik in den Schicksalen lässt alle Elemente prägnant erscheinen.
Lese-Empfehlung!
(Erscheint vermutlich Ende 2026 / Anfang 2027 in Deutsch)

Eiko Kadono – Kikis kleiner Lieferservice
Das Buch ist sehr kindgerecht geschrieben, einfache Sätze aber damit auch einfache Probleme, die teilweise erfinderisch oder originell gelöst werden. Mit positiven Attitüden liegt es mehr im Cozybereich. Es beschreibt kleine Abenteuer von Kiki, die natürlich allesamt gut ausgehen. Ein gutes Buch für Erstleser, auch weil es erste Schritte in die Selbstständigkeit darstellt. Das mag zwar sehr simpel beschrieben sein, vermittelt aber durchaus ein wenig Selbstvertrauen in die eigene Zukunft für kleine Leser*innen. 

Gelesene Bücher Februar 2026

Posted by Björn on 2nd März 2026 in Allgemein, Buch

Charlotte Bronte – Jane Eyre
Die Erzählung ist hier und da etwas zäh, aber bleibt mMn interessant und prosaisch. Auch wenn es in der Ich-Perspektive geschrieben ist, wechselt manchmal wortwörtlich der Stil und der Leser wird direkt angesprochen („Reader!“ in meiner englischen Ausgabe), um irgendwas zu erklären. Anfangs leicht dogmatisch wird es später mit dem Missionar St. John sehr anstrengend und ideologisch. Wirklich gut fand ich einzig den Charakter von Jane Eyre. Edward Rochester war ein wenig zu sehr eindimensional, dafür war im letzten Drittel St. John zumindest etwas anspruchsvoller in der Ausgestaltung. Mir haben die prosaischen Elemente sehr gefallen, teilweise durch Janes Hobby, das Zeichnen, teilweise durch die intensiven, aber dunklen Beschreibungen der Landschaft.
Persönlich fand ich das Buch sehr gut und schön.

E. M. Hull – The Sheik
Um eins vorwegzunehmen: Ich hasse dieses Buch. Es mag zwar vor 100 Jahren millionenfach verkauft worden sein, aber für mich funktioniert es einfach nicht. Die Erzählung erfüllt nur ein Wunschdenken und entspricht absolut keiner wahren Tatsache über die islamisch/muslimische Kultur. Außerdem sind Vergewaltigungsfantasien mit Stockholm-Syndrom jetzt nicht das, was ich gern lese. Die Prosa mag zwar okay sein, aber insgesamt sind die Charaktere eher ein Fantasiekonstrukt mit orientalischem Anstrich, und man merkt einfach, dass die Autorin absolut keine Ahnung hat, worüber sie schreibt.

Kim Hye-jin – Die Tochter
Es ist ein bittereres Buch; auf der einen Seite die namenlose Mutter, auf der anderen die Tochter, welche nur durch den Spitznamen Green bekannt ist. Es gibt eine weitere Abstraktionsebene mit Tsen, einer alten demenzkranken Dame, welche die Mutter pflegt und Rain, oftmals nur „das Mädchen“ genannt, der Lebensgefährtin ihrer Tochter. Mir gefällt besonders die unsichtbare Erzählebene dazwischen, die eher mit den Handlungen der Charaktere gefüllt werden. Die Mutter, welche sich sorgt, dass ihre Tochter keine Hilfe im Alter erhält, und Rain, die jederzeit bereit ist, der Mutter ihrer Lebensgefährtin zu helfen. Ein sehr starkes Buch, was in der Stille zwischen den Worten scheint und das Aneinander-vorbeireden deutlich thematisiert. Hoffnungen und Motive werden gegeneinander aufgewogen ohne zu einer eindeutigen Antwort zu kommen. Was auch nicht notwendig ist, denn eigentlich spricht das Ende für sich.

Mira Lindorm – Coralee und Baba Jagas Puppe
Insgesamt ist das Finale der Serie sehr gut. Auch wenn es mit 60 Seiten relativ kurz ist, ist es spannend aufbereitet und kann endlich auch Antworten auf die bisherige Handlung geben. Die Charaktere haben mittlerweile ein deutliches Profil und haben ein würdiges Ende gefunden. Ich hoffe, die Serie kann fortgesetzt werden.

Georgette Heyer – The quiet gentleman
Eine fantastische Geschichte; wenig offensichtliche Romantik, aber viel im Subtext. Eine ordentliche Portion Humor rundet diese Intrigengeschichte gut ab. Die Erzählung ist spannend und unterhaltsam, mit gehobenen Sprachgebrauch und liest sich trotzdem gut. Die Charaktere sind unterhaltsam, und haben alle ihre Ecken und Kanten – auch wenn sie hier und da sehr stereotyp beschrieben werden.
Erfrischend und ein wenig anders, hat mir die Lektüre durchaus gut gefallen.

Betty Neels – Tabitha in Moonlight
Ich fand das Buch insgesamt sehr durchschnittlich, die Erzählung fängt relativ langweilig an, wird aber mit der Zeit besser. Es wirkt hier und da sehr formelhaft, aber das hat auch etwas mit den Vorgaben seitens des Verlegers Mills & Boon zu tun. Die Charakter sind irgendwie auch langweilig, Tabitha wirkt leicht neurotisch, und Marius – der reiche Doktor – sehr einnehmend aber ohne großes Profil. Es werden mMn zu viele Klischees bedient, von Tabithas böser Stiefmutter und Stiefschwester bis Marius „Prince Charming“, der sie hofiert und die Angebetete merkt es einfach nicht.
Das Buch ist einfach 08/15, nichts Großes, nichts Kleines – eine kurzweilige Geschichte zum nachher wieder vergessen.

Frank Lauenroth – Delter
Dieses Buch enthält 17 Kurzgeschichten, mal lustig, mal ernst, mal albern, mal actionreich. Mir hat die Mischung gut gefallen, insgesamt sind alle interessant auch wenn der ein oder andere Twist ein wenig vorhersehbar war. Dass mir wenig dazu einfällt, liegt einfach daran, dass die Geschichten alle unterschiedlich sind und das Buch insgesamt sehr abwechslungsreich wirkt. Lese-Empfehlung!
Meine Top 3 sind: „In dubio pro roboto“, „Tubes Inc.“ und „Laden! Zielen! Feuer!“

Gelesene Bücher Januar 2026

Posted by Björn on 3rd Februar 2026 in Allgemein, Buch

Heather Fawcett – Emily Wildes Atlas der Anderswelten
Mit detektivischem Gespür folgt der Roman Emily Wilde, der Feenforscherin. Es ist etwas trocken, aber durchaus gut geschrieben. Fußnoten durchziehen das Tagebuch, was es teilweise wie ein Ausschnitt einer Wissenschaftsarbeit macht (aber der Absicht der Ich-Erzählerin, Emily Wilde, natürlich entgegenkommt). Insgesamt sind die Charaktere sehr interessant und gegensätzlich gestaltet, was das Buch viel Leben einhaucht und die Konflikte hervorhebt. Dabei bleibt die Sprache zwar durchaus schrullig akademisch, aber insgesamt hebt sich dann die prosaische Seite dann besonders hervor.

Roger Zelazny – Die Chroniken von Amber
Die Amber-Chroniken waren von der Erzählung her oftmals sehr schnell, erst im zweiten Band wird das (teilweise etwas zuviel) reduziert. Insgesamt ist die Handlung mit viel Intrigen zwischen den neun Brüdern und vier Schwestern durchwebt, die um den Thron von Amber kämpfen. Die Erzählung verbirgt oft einige Details, die erst später wieder aufgegriffen werden und nach und nach in ein großes Mosaik geknüpft wird. Insgesamt ist die Serie spannend und actionreich, hat aber auch seine lyrischen und poetischen Momente. Die Charaktere sind sehr gut ausgebaut, und da es viele Intrigen gibt, bleibt mir für die Kürze nur zu schreiben, dass die Konflikte und Motivationen durchaus überzeugend sind. Was mir nicht ganz gefallen hat, war die teilweise in die Länge gezogenen Reisen durch die Schatten, und – womöglich durch die alte Übersetzung – teilweise seltsame Formulierungen, z. B. „Steuerrad“ anstatt „Lenkrad“ im Auto. (Es ist Fantasy, das wird aber erst später im ersten Band klar)

Ray Bradbury – Der Katzenpyjama
Das 180 Seiten umfassende Buch enthält 20 Kurzgeschichten von Ray Bradbury aus allen Epochen seines Schaffens. Mit seinem Humor sind die Geschichten teils kurios, teils ernsthaft; manche sind politisch, wenige sozialkritisch. Die Charaktere sind oft Fokus der Geschichte und die Pointe oft perfekt getroffen. Meine Lieblingsgeschichten waren „Der Katzenpyjama“, „Das Haus“ und „Alle meine Feinde sind tot“. In der ersten geht es um eine Katze, die von zwei Menschen gleichzeitig gefunden wird; in der zweiten um ein altes Haus, das der Ehemann gekauft hat, aber die Ehefrau nicht mag; und in der dritten geht es um einen Menschen, der alle seine Feinde verloren hat.

Eliza Haywood – Fantomina: Love in a Maze
War ich sehr neugierig drauf, weil es ein sehr frühes Werk der Romantik ist. Etwas kurz mit knapp 25 Seiten (es gibt wohl auch Ausgaben mit ein paar Illustrationen), aber für seine Zeit durchaus schon „pornografisch“ – dabei geht es mehr um den sozialen Sprengstoff, den die Autorin durch ihre promiskuitive Protagonistin darstellt. Obwohl Fantomina weiß, dass ihre Liebe nicht erwidert wird, versucht sie es trotzdem. Und besonders das Ende ist für diese Zeit unüblich. Nicht ganz so flüssig zu lesen wie Jane Austen, aber das Frenglisch mag etwas anstrengend sein.
PS: Haywood hatte Crébillon gekannt, sie hatte „The sofa“ ins Englische übersetzt.

Jane Austen – Pride and Prejudice
Perfection.
Sicherlich nicht die Romanitk im heutigen Sinn, aber wie Elisabeth und F. Darcy ein „from enemy to lovers“ werden ist ein toller Lesegenuss. Vielleicht nicht für jeden etwas, weil es viele ausufernde Gespräche und Liebesbekenntnisse gibt, aber es ist teilweise lustig wie Jane Austen ihre Satire der damaligen Zeit umgesetzt hat.

Das Buchjahr 2025

Posted by Björn on 31st Dezember 2025 in Allgemein, Buch

Top 3 Jahresfavoriten 2025:
Sarah Adler – Kann Spuren von Geistern enthalten
Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Myra Çakan – Dreimal Proxima Centauri und zurück

Empfehlungen für (angehende) Schriftsteller*innen:
Gillian Flynn – Cry baby
Max Porter – Trauer ist das Ding mit Federn
Ayn Rand – Der Ursprung
Octavia E Butler – Xenogenesis (Trilogie)
Emily St. John Mandel – Das Meer der endlosen Ruhe
Ann Leckie – Der Rabengott

Flop des Jahres 2025:
Thomas Preskett Perst – Varney, der Vampir oder das Fest des Blutes
Lia Nilges – Der Kampf um Frieden

Meine gelesenen Bücher in chronologischer Reihenfolge:
Samantha Harvey – Umlaufbahnen
Herbert W. Franke – Die Kälte des Weltraums
Claudia Winter – Die Wolkenfischerin
Bram Stoker – Dracula (EN)
Catherine Strefford – Nur kurz leben
Maud Woolf – Die 13 Tode der Lulabelle Rock
Nadine Lange – Ein Eis mit Jo
Max Porter – Trauer ist das Ding mit Federn
Karen Tidbeck – Jagannath
Paula Volsky – Das weiße Tribunal
Hugh B. Cave – Murgunstrumm
Nnedi Okorafor – Das Buch des Phönix
Peter S. Beagle – Ich fürchte, ihr habt Drachen
Oliver Plaschka – Das Licht hinter den Wolken
Madeline Miller – Galatea
Emily St. John Mandel – Das Meer der endlosen Ruhe
Edward Ashton – Mickey 7
Margaret Cavendish – Die gleissende Welt
Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Hannes Riffel – Vor der Revolution
Gene Wolfe – Der fünfte Kopf des Zerberus
Travis Baldree – Magie und Milchschaum
John Ironmonger – Der Wal und das Ende der Welt
Stephen King – Dead Zone
Suzan Palumbo – Countess (EN)
Elya Adair – Melodie der Asche
Sylvana Freyberg – Die Sterne leuchten am Erdenhimmel
Reda El Arbi – empfindungsfaehig
Artur Kunz – Yelena Gans
Myra Çakan – Dreimal Proxima Centauri und zurück
Arkady Martine – Im Herzen des Imperiums
Jules Verne – Reise zum Mittelpunkt der Erde
Bernhard Kempen – Arkadia
Lennox Lethe – Babywitch
Lennox Lethe – Nekrolog
Algernon Blackwood – Angriff auf die Seele
M. P. Shiel – Die purpurne Wolke
Qiu Miaojin – Aufzeichnungen eines Krokodils
Rebecca Campbell – Arborealität
Thomas Preskett Perst – Varney, der Vampir oder das Fest des Blutes
Ursula K. Le Guin – Die Geißel des Himmels
Joanna Russ – Erwachende Welten: Werke 2
Juri Ilkow – Kontakt mit Übermorgen
Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt
William King – Flesh to Shadow (EN)
Catherine Strefford – Welcome to my ghost world
Sarah Adler – Rabenaas
G. Börnsen & A. Kelsner – Raumfragmente
Markus Walther – Beatrice
Markus Walther – Bibliophilix
Sameena Jehanzeb – Frozen, Ghosted, Dead
Sarah Adler – Kann Spuren von Geistern enthalten
H. G. Wells – Die Insel des Dr. Moreau
Michael Marrak – Lex Talionis
Michael Marrak – De Profundis
Lord Dunsany – The King of Elfland’s Daughter (EN)
Tricia Levenseller – The shadows between us (EN)
Mira Lindorm – Coralee und die Mardi Gras Geister
Sameena Jehanzeb – Winterhof
Sameena Jehanzeb – Siebensteinthal
Sophie Edina – Wild Heart beats
Walter Moers – Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte
Samuel R. Delany – Das Einstein-Vermächtnis
Romy Wolf – Die Partitur der Gewalt
Daniel F. Galouye – Simulacron-3
Dr. Rami Kaminski – Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen
William Kotzwinkle – Dr. Ratte
Ann Leckie – Der Rabengott
Lars Czekalla – Die Klima-Elfe
Michaela Göhr – Andersträumer
Lia Nilges – Der Kampf um Frieden
Dai Sijie – Der kleine Trommler
Mira Lindorm – Coralee und der Kanalligator
Mira Lindorm – Coralee und das Einhorn-Horn
Theresa Hannig – parts per million
Ayn Rand – Der Ursprung
Xueting C. Ni – Sinophagia (EN)
Jennifer Dugan – The girl of her dreams
Kurt Vonnegut – Die Sirenen des Titan
Gillian Flynn – Cry Baby
Clive Barker – Das Sakrament
Marco Harnisch – Vertuscht
Kat & Steve Nolte – Die Präsenz
Octavia E. Butler – Xenogenesis
P. Djèlí Clark – Der Spuk in Luftbahnwagen 015