Gelesene Bücher Februar 2026
Charlotte Bronte – Jane Eyre
Die Erzählung ist hier und da etwas zäh, aber bleibt mMn interessant und prosaisch. Auch wenn es in der Ich-Perspektive geschrieben ist, wechselt manchmal wortwörtlich der Stil und der Leser wird direkt angesprochen („Reader!“ in meiner englischen Ausgabe), um irgendwas zu erklären. Anfangs leicht dogmatisch wird es später mit dem Missionar St. John sehr anstrengend und ideologisch. Wirklich gut fand ich einzig den Charakter von Jane Eyre. Edward Rochester war ein wenig zu sehr eindimensional, dafür war im letzten Drittel St. John zumindest etwas anspruchsvoller in der Ausgestaltung. Mir haben die prosaischen Elemente sehr gefallen, teilweise durch Janes Hobby, das Zeichnen, teilweise durch die intensiven, aber dunklen Beschreibungen der Landschaft.
Persönlich fand ich das Buch sehr gut und schön.
E. M. Hull – The Sheik
Um eins vorwegzunehmen: Ich hasse dieses Buch. Es mag zwar vor 100 Jahren millionenfach verkauft worden sein, aber für mich funktioniert es einfach nicht. Die Erzählung erfüllt nur ein Wunschdenken und entspricht absolut keiner wahren Tatsache über die islamisch/muslimische Kultur. Außerdem sind Vergewaltigungsfantasien mit Stockholm-Syndrom jetzt nicht das, was ich gern lese. Die Prosa mag zwar okay sein, aber insgesamt sind die Charaktere eher ein Fantasiekonstrukt mit orientalischem Anstrich, und man merkt einfach, dass die Autorin absolut keine Ahnung hat, worüber sie schreibt.
Kim Hye-jin – Die Tochter
Es ist ein bittereres Buch; auf der einen Seite die namenlose Mutter, auf der anderen die Tochter, welche nur durch den Spitznamen Green bekannt ist. Es gibt eine weitere Abstraktionsebene mit Tsen, einer alten demenzkranken Dame, welche die Mutter pflegt und Rain, oftmals nur „das Mädchen“ genannt, der Lebensgefährtin ihrer Tochter. Mir gefällt besonders die unsichtbare Erzählebene dazwischen, die eher mit den Handlungen der Charaktere gefüllt werden. Die Mutter, welche sich sorgt, dass ihre Tochter keine Hilfe im Alter erhält, und Rain, die jederzeit bereit ist, der Mutter ihrer Lebensgefährtin zu helfen. Ein sehr starkes Buch, was in der Stille zwischen den Worten scheint und das Aneinander-vorbeireden deutlich thematisiert. Hoffnungen und Motive werden gegeneinander aufgewogen ohne zu einer eindeutigen Antwort zu kommen. Was auch nicht notwendig ist, denn eigentlich spricht das Ende für sich.
Mira Lindorm – Coralee und Baba Jagas Puppe
Insgesamt ist das Finale der Serie sehr gut. Auch wenn es mit 60 Seiten relativ kurz ist, ist es spannend aufbereitet und kann endlich auch Antworten auf die bisherige Handlung geben. Die Charaktere haben mittlerweile ein deutliches Profil und haben ein würdiges Ende gefunden. Ich hoffe, die Serie kann fortgesetzt werden.
Georgette Heyer – The quiet gentleman
Eine fantastische Geschichte; wenig offensichtliche Romantik, aber viel im Subtext. Eine ordentliche Portion Humor rundet diese Intrigengeschichte gut ab. Die Erzählung ist spannend und unterhaltsam, mit gehobenen Sprachgebrauch und liest sich trotzdem gut. Die Charaktere sind unterhaltsam, und haben alle ihre Ecken und Kanten – auch wenn sie hier und da sehr stereotyp beschrieben werden.
Erfrischend und ein wenig anders, hat mir die Lektüre durchaus gut gefallen.
Betty Neels – Tabitha in Moonlight
Ich fand das Buch insgesamt sehr durchschnittlich, die Erzählung fängt relativ langweilig an, wird aber mit der Zeit besser. Es wirkt hier und da sehr formelhaft, aber das hat auch etwas mit den Vorgaben seitens des Verlegers Mills & Boon zu tun. Die Charakter sind irgendwie auch langweilig, Tabitha wirkt leicht neurotisch, und Marius – der reiche Doktor – sehr einnehmend aber ohne großes Profil. Es werden mMn zu viele Klischees bedient, von Tabithas böser Stiefmutter und Stiefschwester bis Marius „Prince Charming“, der sie hofiert und die Angebetete merkt es einfach nicht.
Das Buch ist einfach 08/15, nichts Großes, nichts Kleines – eine kurzweilige Geschichte zum nachher wieder vergessen.
Frank Lauenroth – Delter
Dieses Buch enthält 17 Kurzgeschichten, mal lustig, mal ernst, mal albern, mal actionreich. Mir hat die Mischung gut gefallen, insgesamt sind alle interessant auch wenn der ein oder andere Twist ein wenig vorhersehbar war. Dass mir wenig dazu einfällt, liegt einfach daran, dass die Geschichten alle unterschiedlich sind und das Buch insgesamt sehr abwechslungsreich wirkt. Lese-Empfehlung!
Meine Top 3 sind: „In dubio pro roboto“, „Tubes Inc.“ und „Laden! Zielen! Feuer!“